MUSIKUPDATE // DAS LUNSENTRIO

Aufstehn! Während sich am Vorgänger Der Lunsenring alles ums Schlafen und im Bett Bleiben drehte, ist’s am zweiten Album des Lunsentrios aus mit der Gemütlich-, pardon, G’miadlichkeit. Nick McCarthy (Ex-Franz Ferdinand/FFS), Sebastian Kellig (Produzent u.a. für LaBrassBanda) und der Lyriker Hank Schmidt in der Beek lassen sich auf den 14 Songs nicht festnageln: schweißtreibender Post-NDW, lyrisch surrealer Agitprop-Dreigesang, Protest-Funk in der musikalischen Tradition der Ton Steine Scherben, alpenglühender Rockers-Reggae. Dabei funktioniert Aufstehn! auf der Tanzfläche genau so gut wie auf der Bierbank. Das Lunsentrio bringt das Pub zurück in Pubrock!

Die neue Single Ein Girl wie Du – ein Typ wie ich mag das jüngere Publikum an Sean Paul und Sashas Dancehall Hit von 2004 erinnern, doch seine Wurzeln liegen ein paar Jahre weiter zurück im jamaikanischen Studio One-Sound von Alton Ellis‘ Rocksteady Klassiker I’m Still In Love With You Girl (1967) und dessen oft abgekupfertem Riddim. Hervorgehoben sei hier die 1982er NDW Version von zwei jungen Frauen namens Tandem Ein Typ wie Du, in der der besungene Jüngling nicht allzu gut davonkommt: Ein Typ wie du / Hat mir gefehlt / So jung wie Du / Und schon so blöd. Schön blöd war auch das Lunsentrio, diesmal als DJs unterwegs, als sie sich nach einer Weddinger Reggae-Party die sündteure Vinylsingle von Tandem klauen ließen. Lass den Kopf nicht hängen, Hank, sagten Nick und Seb-I im Chor. Wenn wir den Song tatsächlich nicht wiederbekommen, nehmen wir ihn eben selber auf. Gesagt getan, nicht ohne jedoch die Textinhalte etwas freundlicher zu gestalten und in ein in traditionellerem Soundgewand vorgetragenes Plädoyer für das Überbordwerfen von Zaudern und Zweifel, Ziel und Zweck zu verwandeln, Denn ab und zu, da sind es schlicht / Ein Girl wie Du, ein Typ wie ich.

07.03.2018 DE, Nürnberg @ MUZclub
09.03.2018 DE, München @ Milla